SV Wersten 1964 beim DSAM-Cup – Bad Wildungen

Am 28.02.2020 fand in Bad Wildungen, im Nachbarbundesland Hessen, das 5. Qualifikationsturnier des DSAM-Cup statt. Neben den üblichen Verdächtigen aus dem Qualifikationsturnier in Düsseldorf, war diesmal auch Bastin mit von der Partie. Er, David und Sven hatten sich ein kleines Ferienhaus gemietet, während ich direkt im Maritim-Hotel, dem Austragungsort, untergekommen war.

Entsprechend ausgeruht und entspannt ging es in die 1. Partie, hatte ich doch nur wenige Meter Fußweg bis zum Brett. In dieser Partie, in der ich die schwarzen Steine führte, antwortete ich auf 1. e4 mit 1. … c5, womit Sizilianisch auf dem Brett war. Nach nur 18 Zügen war aber bereits das Matt nicht mehr abzuwenden;

Nach diesem 1. Sieg war ich zuversichtlich, dass es diesmal besser laufen könnte, als noch in Düsseldorf und vielleicht sogar die Qualifikation schaffbar wäre. Ich gönnte mir also abends eine ausgiebige Finnische Sauna in der hoteleigenen Anlage und war zuversichtlich ob dem weiteren Verlauf.

Partie 2 mit Weiß war nach 45 Zügen zu meinen Gunsten entschieden und ich wähnte mich auf der Siegerstraße. Am Nachmittag in Partie 3 dann der Dämpfer, Remis. Die Zeit zwischen den Partien nutzte ich für Spaziergänge im schönen Kurort Bad Wildungen und besuchte nachmittags die anderen in ihrem Ferienhaus.

Nicht ganz zufrieden mit meiner Leistung für diesen Tag spendete abends erneut die Finnische Sauna Trost und Entspannung. So vorbereitet sollte der letzte Spieltag dann die Qualifikation bringen. Tat er aber nicht. Partie 4 ging verloren und damit die Chancen auf die Quali in Gruppe G. In Partie 5 akzeptierte ich schließlich verfrüht das Remisangebot meines Gegners und somit sollte ich wieder nicht das Ticket für das Finale in Magdeburg gelöst haben.

Dafür traf ich mit Jan Eric Chilla ein bekanntest Gesicht, ist er doch unser Ansprechpartner für unsere Kooperation mit Schach Niggemann.

Schach Niggemann hatte mehrere Tische Aufgebaut und verschiedenste Artikel aus ihrem Sortiment ausgestellt. So kam ich nicht umhin knapp 50€ dort zu lassen und mit frischer Schachliteratur die Rückfahrt anzutreten.

Alles in allem war das Turnier in Bad Wildungen eine tolle Veranstaltung, besonders vor dem Hintergrund, dass zu diesem Zeitpunkt Corona zwar schon bekannt war, aber noch keinen Einfluss auf das Geschehen hatte. Dies kam erst ein paar Tage später. Die ausstehenden Qualifikationsturniere in Darmstadt und Nürnberg wurden wenig später abgesagt und das Finale auf das nächste Jahr 2021 verschoben. Hoffen wir, dass wir möglichst bald wieder zu dieser Art von Normalität zurückkehren können.

Es folgen nun noch die Berichte aus Sicht von Sven und David;

Sven hat das Turnier in Bad Wildungen so erlebt;
Die erste Runde war eine ruhige Italienischpartie, die schnell im Remis endete. Ein guter Einstieg, da damit schon mal klar war, dass ich zumindest nicht komplett punktfrei aus dem Turnier gehen würde in einem für mich schweren Feld. Die zweite Runde war die lebhafteste und zugleich komplizierteste Partie des Turniers für mich. Eine eher ruhige Damengambitvariante wurde durch einen frühen Flankenangriff meines Gegners aufgepeppt und ich stand in der Folge gedrückt. Viele meiner und seiner Figuren zielten auf den Punkt g6. Nun fürchtete ich, dass ein Minoritätsangriff am Damenflügel ins Haus stehen würde und meine Figuren an die Verteidigung von g6 gebunden sein würden und ich dem daher wenig entgegensetzen könnte. Also entschied ich mich in folgender Stellung (bei beidseitig schon leichter Zeitnot)

für das komplett antipositionelle und öffnende 20…f5, was meine Königsstellung aufriss, aber zugleich meinen Figuren Bewegungsfreiheit gab. Klar besser wäre die Umgruppierung des Springers mit 20…Sd7 gewesen und das öffnende Springeropfer mit Erzeugung verbundener Freibauern ist nicht so dramatisch wie ich zunächst annahm: 21.Sxg6 und dann z.B. 21… fxg6 22.Lxg6 Lf7 23.Lf5 Sb6 24.b3 a5 25.Lh3 a4 26.f5 Kg8 27.f6 axb3 28.Txb3 Sc4+ 29.Kc1 De4 und Schwarz stünde klar besser. In der Folge von 20…f5 steht Weiß zwar objektiv auf Gewinn (bis zu +4), aber es ist auch alles andere als einfach zu spielen und so war es aus praktischer Sicht eine vertretbare Entscheidung. Es folgte 21.gxf6 Dxf6 22.Tg1 Dxh4 23.Kc1 Lg4 24.f5 Sh7 25.fxg6 Sg5 26.Dg2 Txe5 27.dxe5 Tf8 28.Tc2 Sf3 29.Th1 Dg5 30.Te2 Sxe5 31.Lc2 und ich konnte das Spiel drehen und stand kurz nach dem Qualitätsopfer zur Beseitigung seines starken Zentralspringers nun meinerseits klar auf Gewinn (mit -4):

Hier verpasste ich nun leider den Gewinnzug 31…d4 und spielte stattdessen Tf3 mit anschließendem Txe3, was im Nachhinein vom analysierenden GM Bischoff kritisiert wurde, da nach einem Qualitätsopfer Turmtäusche eigentlich vermieden werden sollten. Danach war das Spiel kurzzeitig ausgeglichen. Mein Gegner und ich waren allerdings in wechselseitig höchster Zeitnot – wiederholt lief unsere Uhr bis auf weniger als eine Minute ab und jeder Zug konnte der entscheidende sein. Mein Gegner konnte sich jedoch aus seiner gedrängten Lage befreien und drang mit seiner Dame in meine Stellung ein und das Spiel kippte ein drittes Mal, diesmal wieder zu seinen Gunsten (+3)! Ich spielte gegen Ende einen Zug, der objektiv verliert, aber nicht leicht auszunutzen ist und bot Remis. Mein Gegner nahm glücklicherweise an.

Die dritte Runde war sehr kurz. Wir tauschten früh die Damen und in einem durchaus interessanten Endspiel bot mir mein Gegner früh Remis an, was ich annahm, um die Zeit zwischen den Runden zur Erholung zu nutzen. Auch wenn dieses Spiel wohl nie die Remisbreite verließ, war die Analyse im Anschluss interessant und ich lernte von meinem Gegner etwas Neues über die von ihm gespielte Variante. Die vierte Runde begann mit einer für mich sehr angenehmen Eröffnung, wobei ich es nicht vermochte, den erhaltenen Vorteil zu bewahren und auszubauen. Es begann ein (aus meiner Sicht) kompliziertes Manövrierspiel, in dem ich zwar das Läuferpaar besaß, dafür aber einen isolierten Doppelbauern. Hinzu kam, dass die Stellung geschlossenen Charakter aufwies. Mein Gegner rochierte überhaupt nicht und ich erst im 17. Zug. Ich behielt meine beiden Läufer in Erwartung einer möglichen Öffnung des Spiels durch den Gegner. Letzten Endes erzwang ich dann selbst eine Öffnung des Spiels am Königsflügel und in den folgenden Zügen gelang es mir durch Bauerntausch meine Bauernschwäche loszuwerden. Als ich noch 20 Minuten auf der Uhr hatte, bot mein Gegner mir in inzwischen ausgeglichener Stellung Remis an und nachdem ich keinen konstruktiven Zug fand, nahm ich an.

Die fünfte und letzte Runde war strategisch sehr interessant. Es begann mit einer langen Theorievariante im Sizilianer, bei der ich als Weißer das Feld d5 in den Blick nahm und mein Gegner dafür Chancen an den Flügeln erhielt sowie das Läuferpaar, da ich früh meinen Läufer gegen seinen Springer getauscht hatte, um die Kontrolle über das Feld zu verstärken. Er stellte bald alle seine Schwerfiguren auf dem Damenflügel auf. Ich erkannte, dass ich seine dortigen Bauern würde blockieren können, wenn sie denn loslaufen würden. Daraufhin entschied ich mich meinerseits am Königsflügel tätig zu werden, wo eine Reihe meiner Figuren auf Aktivierung warteten. Dies war möglicherweise ein Fehler, erzeugte jedenfalls auch Schwächen in meiner Königssicherheit. Er gruppierte nun seinerseits um und begann auch am Königsflügel zu spielen. Es gelang mir, einen seiner Läufer abzutauschen und später auch in seine Stellung mit dem Turm einzudringen. Wir tauschten bald viele Figuren ab, so dass wir vom 40. Zug an nur noch über einen Turm, verschiedenfarbige Läufer, sowie jeweils fünf Bauern verfügten. Ich bot meinem Gegner remis an, was dieser ablehnte. In der Folge zeigte er, wie sehr man so ein Endspiel doch ausreizen kann und schaffte es wider Erwarten, mich unter Druck zu setzen und Probleme zu stellen, so dass ich in Zeitnot geriet. Ich konnte die gestellten Endspielprobleme jedoch alle lösen und so einigten wir uns im 79. Zug und nach mehr als vier Stunden Spieldauer schließlich doch auf die Punkteteilung.

Mein Fazit: Ein ausgezeichnetes Turnier, das sowohl auf als auch neben dem Schachbrett viel Spaß gemacht hat. Mit 50% gegen einen Gegnerschnitt von knapp über 2000 DWZ bin ich sehr zufrieden und auch wenn alle meine Spiele Remis ausgingen, waren doch alle auf ihre Weise interessant und meist bis zum Schluss umkämpft.

Aus Sicht von David stellte sich das Turnier so dar;
Mit chessbrah Techno-Mucke machten wir uns hoch motiviert auf nach Bad Wildungen. Im Gepäck neben Uhr und Brett auch das ein oder andere Buch, denn Eins stand fest: Wir wollten “zerwersten” – unser neues Schlagwort, aus unserem Vereinsnamen abgeleitet, wurde demnach noch vielfach am Wochenende benutzt, um uns gegenseitig aufzubauen und einmal mehr als weniger um zu triumphieren. Tagsüber hoch konzentriert und ehrgeizig versuchten wir an den Abenden und in den Pausen den Kopf frei zu bekommen; auch wenn es uns doch recht häufig zum Brett hinzog. Beliebt bei uns war vor allem Hand-and-Brain (eine abgewandelte Schachvariante) und das selbstbenannte Calli-TV (das Zuschauen und Anfeuern unseres Mannschaftskameraden Jörg bei seinen Lichess-Partien).

Bastin, der seit Jahren kein Turnier mehr gespielt hatte, glänzte neben einer reichen Obstansammlung am Brett vor allem durch seine in letzter Zeit stark ansteigenden Schachleistung. Mit 3/5 ein super Ergebnis. Unser Spitzenbrett Sven war seinen Gegnern nicht nur mit Doktortitel ebenbürtig, sondern ging auch mit 5 Remis in Gruppe A als einziger ungeschlagen und mit neu erweckter Top-Form aus dem Turnier.

Andreas, bald mit Cowboy-Hut, konnte, unbeeindruckt von teils skurrilen Gegnern, ebenfalls mit 3/5 dominieren und ein enormes DWZ-Plus einstreichen. In Anbetracht seiner schachlichen Entwicklung hochverdient.

Ich selbst konnte, motiviert durch positive Ligaspiele mit Ausblick auf Werstener-Aufstieg, recht früh punkten und fand mich in Runde 4 an Brett 1, wo ich prompt in der Eröffnung patzte und so den Gesamtsieg verpasste. Glücklicherweise wurde mir im Nachrückverfahren doch noch ein Qualifikationsplatz für das Finale gewährt und so freue ich mich nicht nur über schöne Partien, sondern auch über eine kommende Fortsetzung.

Mit allesamt guten Ergebnissen konnten wir uns letztendlich schachlich alle recht zufriedengeben. Im Vordergrund stand jedoch der Spaß am Spiel, wozu neben hervorragenden Mannschaftskameraden auch ein gut organisiertes Turnier mit entspannender Spielatmosphäre und vielen Extras beitrug. Rückblickend ein absolut empfehlenswertes Schachevent an dem auch zukünftig hoffentlich viele Werstener teilnehmen.

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